Manuel Hagel besucht Baustoffindustrie und Naturschutzprojekt

2025-09-28    HaiPress

CDU-Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzender macht sich auf der Schwäbischen Alb ein Bild von heimischer Rohstoffgewinnung,Zementherstellung und Renaturierung von Steinbrüchen.

Bei einer Besichtigung des Zementwerks in Schelklingen und der „Urzeitweide“ im Steinbruch Gerhausen mit dem Fraktionschef und Spitzenkandidat der Landes-CDU,Manuel Hagel,machten NABU Baden-Württemberg,Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE) und Heidelberg Materials AG auf die drängenden Probleme von Wirtschaft und Naturschutz aufmerksam. Klima-,Biodiversitätskrise und die Herausforderungen in der Industriepolitik müssten gemeinsam bewältigt werden.

CDU-Landeschef Hagel erklärte dazu: „Unsere Heimat lebt von einem starken Miteinander – und genau dieses Miteinander sehen wir hier in Schelklingen eindrucksvoll umgesetzt. Wirtschaft und Umweltschutz bereichern sich,wenn wir auf Technologieoffenheit setzen. Das sichert Arbeitsplätze,stärkt den Wirtschaftsstandort und schützt unsere wunderschöne Natur. Baustoffe wie Zement sind das Fundament unserer Wirtschaft und unseres Alltags. Es beeindruckt mich,wie hier die Zementindustrie und der Naturschutz gemeinsam an Lösungen arbeiten,um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen,damit klimaneutrale Produktionen mit Technologien wie CCS auch hier im Inland Wirklichkeit werden. Gleichzeitig wollen wir sicherstellen,dass Steinbrüche,wie hier in Gerhausen,wertvolle Lebensräume für bedrohte Arten erhalten.“

Die erste Station der Tour führte den CDU-Politiker in das Zementwerk in Schelklingen. Dort wurde deutlich,dass für die Zementindustrie die Transformation des Produktionsprozesses zur Klimaneutralität die drängendste Herausforderung ist. „Wir investieren seit Jahren sehr viel für die Reduzierung von CO2-Emissionen,etwa durch den Ersatz von fossilen Brennstoffen,angepassten Zementrezepturen oder Recycling. Doch das alles reicht nicht aus,um die Klimaziele zu erfüllen“,so Dr. Bernhard Kleinsorge,Leiter Produktion und Technik Zement von Heidelberg Materials in Deutschland.

Bei der Produktion von Kalk und Zement entstehen rund zwei Drittel der Emissionen durch eine chemische Reaktion beim Brennen des Kalksteins und lassen sich somit nicht vermeiden. Daher ist für die Herstellung von Zement unerlässlich,das Klimagas technisch aufwendig abzuscheiden und sicher im Boden zu speichern (Carbon Capture and Storage,CCS). „Für CCS braucht es nicht nur physische Infrastruktur,sondern Planungs- und Investitionssicherheit. Dazu gehören die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen und beschleunigte Genehmigungsverfahren. Damit Projekte wirtschaftlich werden,ist die Unterstützung durch Klimaschutzverträge und die Stärkung der Nachfrage nach emissionsreduzierten Produkten auch in der öffentlichen Beschaffung unerlässlich,“ so Dr. Bernhard Kleinsorge.

Wenn dies nicht schnell geschehe,sei die Existenz der Betriebe gefährdet – und damit viele Arbeitsplätze,bestätigt auch Thomas Beißwenger,Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE). „Die kommenden fünf Jahre sind für die Zukunft der Zementindustrie in Baden-Württemberg entscheidender als die letzten 150 Jahre zusammen es waren“,warnt Beißwenger. „Die Abscheidung und Speicherung dieser unvermeidbaren Emissionen muss gelingen,sonst kommt der Zement zukünftig aus dem Ausland“,so der ISTE-Chef. Einig sind sich NABU,ISTE und Heidelberg Materials,dass die CCS-Technologie nur für technisch unvermeidbare Restemissionen,die etwa bei der Kalk- und Zementherstellung entstehen,zum Einsatz kommen darf,um die Bemühungen um Klimaneutralität in anderen Bereichen nicht zu gefährden.

Besuch im Naturjuwel „Urzeitweide“

Beim anschließenden Besuch des nahen Steinbruchs Gerhausen zeigte sich Hagel beeindruckt von der Vielfalt an Tieren und Pflanzen,die während und nach der Gewinnung von Kalkstein hier eine Heimat finden. „Für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind Steinbrüche heute ein wichtiger Rückzugsort,da es in unserer Landschaft kaum noch vergleichbare Rohboden-Standorte gibt. Bedrohte Arten,wie die Kreuzkröte,der Flussregenpfeifer oder der Rote Apollofalter,kommen hier vor“,erläutert der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen und Biologen Prof. Dr. Markus Röhl. Selbst während der Abbautätigkeit könnten hier wertvolle Lebensräume entstehen,sofern der Abbau nicht zu schnell erfolge und größere Bereiche über kürzere Zeiträume einer ungestörten natürlichen Entwicklung überlassen blieben.

Der NABU und die Gesteinsindustrie fordern in einem gemeinsamen Diskussionspapier,dieses Potenzial konsequent zu nutzen: Flächen müssen so gestaltet und gepflegt werden,dass Arten sich ansiedeln können,ohne dass Unternehmen rechtliche Nachteile befürchten müssen. Richtig gemacht,kann so aus temporären Rohstoffflächen ein wichtiger Beitrag für den Biotopverbund und die Artenvielfalt geleistet werden.

Hintergrund:

Was ist CCS – Carbon Capture and Storage?

CCS (Carbon Capture and Storage) bezeichnet die Abscheidung von CO₂ aus Industrieabgasen oder der Luft,den anschließenden Transport und die Speicherung in tiefen geologischen Formationen. Ziel ist es,unvermeidbare Emissionen zu verringern und so Klimaneutralität zu erreichen. Die Technologie ist jedoch energieintensiv,teuer und setzt eine sichere Speicherung in geologischen Schichten über Jahrhunderte voraus. Für Bereiche wie die Zementherstellung oder die Müllverbrennung ist sie unabdingbar,da Emissionen hier nicht vermieden werden können. Die Bundesregierung hat im Juli 2025 eine Novelle des Kohlendioxidspeichergesetzes eingebracht. Damit soll die Speicherung von CO2 ermöglicht werden. Doch es sind wichtige Fragen offen,etwa zur Finanzierung,der Ausgestaltung des Pipelinetransports,Speichermöglichkeiten an Land oder realistischen Zeithorizonten.

Warum entsteht bei der Zementherstellung unvermeidbar CO2?

Bei der Zementherstellung entsteht CO₂ nicht nur durch den Energieeinsatz,sondern unvermeidbar auch durch den chemischen Prozess,bei dem Kalkstein zu Branntkalk umgewandelt wird – diese Emissionen bleiben selbst bei Einsatz erneuerbarer Energien bestehen.

Wie steht der NABU zu CCS?

Um das Klima zu stabilisieren reichen Emissionsminderungen allein nicht aus. Neben grundlegenden Änderungen im Konsum- und Lebenswandel braucht es natürliche Kohlenstoffsenken,wie Moore,Auen,Wälder und Feuchtwiesen,und technische Kohlenstoffsenken,wie CCS. Der NABU begleitet die Debatte um Technologien wie CCS kritisch und bringt sich mit eigenen Bewertungen ein: Carbon Management: CO₂-Emissionen reduzieren – NABU

Warum sind offene Steinbrüche so wertvoll für die Natur und was ist „Natur auf Zeit“?

„Natur auf Zeit“ zeigt,dass Abbauflächen nicht nur Rohstoffquelle,sondern auch wertvolle Lebensräume sein können. Während der Nutzung entstehen offene Böden,Kleingewässer und Steilwände,die seltenen Arten,wie Kreuzkröte oder Uferschwalbe,eine Chance geben. Der NABU und die Gesteinsindustrie fordern daher,ohne dass Unternehmen rechtliche Nachteile befürchten müssen. So wird aus temporären Rohstoffflächen ein wichtiger Beitrag für den Biotopverbund und die Artenvielfalt in Baden-Württemberg. Natur auf Zeit schützen – NABU

Nach Beendigung der Abbautätigkeit können durch gezielte Pflege,wie Entbuschung oder Beweidung,diese artenreichen Lebensräume dauerhaft erhalten bleiben und leisten einen wichtigen Beitrag zum Biotopverbund in unserer Kulturlandschaft.

Foto (Johannes Enssle): Taurusrinder Herde Urzeitweise Steinbruch Gerhausen

Die Steine- und Erden-Industrie in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es rund 500 Unternehmen,die mineralische Rohstoffe gewinnen,weiterverarbeiten oder gebrauchte mineralische Rohstoffe recyceln. Insgesamt geschieht dies in rund 800 Werken mit 15.000 Beschäftigten. Die Branche erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von rund 5 Milliarden Euro pro Jahr im Land. Jährlich werden 100 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe gewonnen und benötigt. Ziemlich genau entspricht das einem Kilogramm mineralische Rohstoffe pro Einwohner und Stunde. Gebrauchte Baustoffe werden durch Baustoffrecycling im Kreislauf gehalten. So wird bereits heute ca. 90 Prozent des Bauschuttes und Straßenaufbruchs recycelt. Weitere Infos: www.iste.de

Der NABU Baden-Württemberg ist mit rund 132.000 Mitgliedern und 230 Gruppen vor Ort der mitgliederstärkste Umweltverband in Baden-Württemberg. Er engagiert sich aktuell vorwiegend in drei Handlungsfeldern,den NABU-Schwerpunkten: Naturverträgliche Landwirtschaft,Mehr Naturvielfalt in Stadt und Dorf sowie Naturverträgliche Energiewende. Der NABU möchte Menschen dafür begeistern,sich für die Natur einzusetzen – unter anderem mit bekannten Aktionen wie „Stunde der Gartenvögel“ und „Batnight“.  Weitere Infos: www.NABU-BW.de

Seit 125 Jahren begeistert der NABU Menschen dafür,sich für den Schutz unserer Natur einzusetzen. Ihre Unterstützung ermöglicht es uns,das weiterhin zu tun. Erfahren Sie in unserem Newsletter mehr über unsere Arbeit. www.NABU-BW.de

PM NABU Baden-Württemberg

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