Marode Infrastruktur der Bahn Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin belastet Tausende Reisende

2025-07-30    https://www.spiegel.de/wirtschaft/deutsche-bahn-sanierung-der-bahn-strecke-hamburg-berlin-belastet-tausende-reisende-a-72fa1f83-8e21-4a15-9447-cabdf73559c3 HaiPress

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Arbeiter bereiten in Brandenburg eine fertig montierte Weiche für den Ausbau der Strecke Hamburg–Berlin vor

Foto: Soeren Stache / dpa

Mit einem großen Sanierungsprogramm hofft die Führungsspitze der Deutschen Bahn,den Krisenkonzern wieder in die Spur zu bringen. Derzeit überschattet zusätzlich das schwere Zugunglück in Baden-Württemberg

alle anderen schwierigen Themen bei dem Bahn-Konzern,der an diesem Donnerstag seine neuesten Zahlen vorlegen wird. Die Modernisierung veralteter Strecken ist derzeit eine Toppriorität. Rund 40 hochbelastete Strecken werden dabei modernisiert. Zwischen Hamburg und Berlin startet das Projekt ab Freitag,1. August,und bringt Tausende Reisende in Probleme.

Denn diese wichtige Strecke wird neun Monate komplett gesperrt. Unter Bahn-Experten gilt die Generalsanierung als erster richtiger Härtetest für das Baukonzept,da die Strecke verhältnismäßig lang und die Umleitungsmöglichkeiten schwieriger sind als etwa bei der Generalsanierung zwischen Frankfurt und Mannheim.

Unter dem schlechten Zustand vieler Bahnstrecken leidet auch die Pünktlichkeit der Bahn,was immer wieder für Zündstoff sorgt. Der Konzern selbst sieht sich laut Unternehmenschef Richard Lutz »in der größten Krise seit 30 Jahren«. Um dort wieder herauszufinden,sollen bis 2027 Infrastruktur,Betrieb und Finanzen deutlich verbessert werden.

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Bahn-Chef Richard Lutz: »In der größten Krise«

Foto: Soeren Stache/DPA

Allein im kommenden Jahr stehen weitere vier Generalsanierungen von Strecken auf dem Plan. Denn ein großer Teil der Verspätungen liegt laut Bahn an veralteten Strecken,Bahnhöfen oder Brücken. »Auf einer störanfälligen und veralteten Infrastruktur können wir keinen stabilen Betrieb sicherstellen«,sagte Lutz im Frühjahr. Erst nach und nach,so die Lesart,werde sich also die Pünktlichkeit verbessern können.

Eine Besserung ist aus Sicht der Fahrgäste dringend nötig. Im Juni wurden lediglich 57,1 Prozent der Fernverkehrshalte pünktlich erreicht,also mit einer maximalen Verspätung von 5:59 Minuten. Das Ziel der Bahn ist eine Pünktlichkeitsquote von 65 bis 70 Prozent für das gesamte Jahr.

Warum wird die Strecke Hamburg–Berlin schon wieder gesperrt?

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bahn an der Strecke gearbeitet,doch dabei wurde nur repariert,was nicht mehr aufgeschoben werden konnte. Zwischen August und Dezember 2024 kam es deshalb bereits zu erheblichen Einschränkungen für die Fahrgäste. Der große Umbau ist jetzt geplant. Laut Bahn erhielt die Strecke zuletzt die Zustandsnote 3,7. Nach der Generalsanierung prognostiziert der Konzern die Note 2,3. Auf der Riedbahn hat sich die Zustandsnote durch die Generalsanierung demnach von 3,70 auf 2,19 verbessert.

Die umfassende Modernisierung der Strecke ist dringend notwendig,die wichtige Verbindung zwischen den beiden Metropolen hält dem Verkehrsaufkommen kaum noch Stand. »Wir haben Stellwerke,die arbeiten noch mit Disketten«,sagte Julian Fassing,Projektleiter für die Sanierung.

Nach der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim und der derzeit ebenfalls laufenden Modernisierung der Strecke Emmerich-Oberhausen in NRW ist dies die nächste sogenannte Generalsanierung im deutschen Schienennetz.

Was bedeutet die Sanierung für Reisende?

Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken in ganz Deutschland. Wenn die lange erwartete Generalsanierung der Strecke beginnt,hat dies große Folgen für den Regional-,Fern- und Güterverkehr. Täglich fahren allein im Fernverkehr rund 30.000 Menschen auf der 280 Kilometer langen Strecke,insgesamt sind dort jeden Tag 470 Züge unterwegs.

Wie schon bei der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim im vergangenen Jahr wird auch die Strecke Hamburg-Berlin vollständig gesperrt – vom Abend des 1. August bis zum 30. April. In drei verschiedenen Baubereichen werden dann umfassende Sanierungsarbeiten durchgeführt.

Die geplante Sanierung hat auf Reisende in Fern- und Regionalverkehr Auswirkungen,genauso wie auf Transportfirmen.

Reisende im Fernverkehr:

Fahrgäste im Fernverkehr müssen aufgrund der Sperrung Umleitungen und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Die Fernzüge werden über Stendal und Uelzen umgeleitet. Im Schnitt brauchen sie dann 45 Minuten länger. Zudem gibt es nur noch eine Verbindung pro Stunde statt bisher alle 30 Minuten. Die Halte Ludwigslust und Wittenberge entfallen.

Die EC-Züge zwischen Hamburg und Prag starten und enden in Berlin. Die Fernzüge zwischen Hamburg und Rostock werden über Lübeck und Bad Kleinen umgeleitet und benötigen rund 60 Minuten länger. In Schwerin werden in der Bauzeit keine Fernzüge halten.

Reisende im Regionalverkehr:

Deutlich umständlicher wird es für die Fahrgäste im Regionalverkehr. Zahlreiche Linien entfallen ganz oder sind nur auf einzelnen Teilstücken unterwegs. Auf 28 Verbindungen sollen Ersatzbusse eingesetzt werden. Betrieben werden sie vom Unternehmen Ecovista,das dafür eigenen Angaben zufolge 208 neue Busse bei den Herstellern SOR und Iveco bestellt hat. Die Busse verfügen demnach über WLAN und USB-Steckdosen.

Auf der Langstrecke sind die Fahrzeuge laut Ecovista teilweise mit Toiletten ausgestattet. Allerdings werden bis zum Start der Bauarbeiten nicht alle davon ausgeliefert sein. Ecovista werde deshalb auf Fahrzeuge von Subunternehmen zurückgreifen,teilte eine Sprecherin mit. Es kämen zudem Busse zum Einsatz,die die Bahn während der Riedbahn-Sanierung verwendet hat. Damit könne der Ersatzverkehr wie geplant in voller Stärke anlaufen,hieß es.

Der Güterverkehr:

Auf Transportunternehmen kommen Verzögerungen von mehreren Stunden zu. Ein Teil der Güterzüge könne ebenfalls über Uelzen und Stendal umgeleitet werden,teilte die Bahn mit. Weiterhin seien jedoch auch Umleitungen über Rotenburg (Wümme) und Verden (Aller) vorgesehen. Diese würden im weiteren Fahrtverlauf über Hannover und Magdeburg in Richtung Berlin geleitet.

Was wird konkret gemacht – und was nicht?

28 Bahnhöfe sollen ein neues Erscheinungsbild erhalten und künftig mehr Aufenthaltsqualität bieten. Damit wird an allen Bahnhöfen auf der Strecke gebaut

165 Kilometer Gleise werden komplett erneuert,weitere 61 Kilometer instand gesetzt

249 Weichen werden insgesamt eingebaut

auf 25 Kilometer Länge wird der Fahrdraht getauscht,auf weiteren 22 Kilometern die Oberleitung erneuert

sechs neue Stellwerke werden gebaut,19 Stellwerke modernisiert

Wird die Strecke auch digital aufgerüstet?

Die Stellwerke werden für den Einsatz einer digitalen Leit- und Sicherungstechnik (ETCS) vorbereitet,die Strecke selbst allerdings nicht. Nach Erfahrungen bei der Riedbahn-Sanierung verzichtet die Bahn darauf vorerst. Erst in den Dreißigerjahren soll auf der Strecke Hamburg–Berlin dann auf die digitale Technik umgestellt werden. Sie ermöglicht es,dass insgesamt mehr Züge dichter hintereinander auf der Strecke fahren können.

Dennoch soll auf der Strecke selbst der Verkehr nach der Baumaßnahme aber deutlich besser und störungsfreier rollen. Zudem soll die umfassende Generalsanierung dazu führen,dass dort für mehrere Jahre nicht mehr gebaut werden muss.

Wie geht es nach Hamburg–Berlin weiter?

2026 sollen vier Generalsanierungen absolviert werden und zwar auf den Strecken:

Hagen–Wuppertal–Köln

Nürnberg–Regensburg

Obertraubling–Passau

Troisdorf–Wiesbaden.

Wie geht es der Bahn wirtschaftlich?

Im Gesamtjahr 2024 hatte sich die wirtschaftliche Lage der Bahn bereits merkbar erholt. Dies könnte sich im ersten Halbjahr fortgesetzt haben. Am Donnerstag legt der Konzern seinen Bericht für die ersten sechs Monate vor. Die Bahn soll im ersten Halbjahr 2025 einen Verlust nach Ertragssteuern von rund 760 Millionen Euro eingefahren haben,berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Dies wäre besser gewesen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Konzernumsatz sei im Vergleichszeitraum auf 13,3 Milliarden Euro und damit um 3,4 Prozent gestiegen. Der operative Verlust vor Zinsen und Steuern (preisbereinigtes EBIT) habe bei 239 Millionen Euro gelegen.

Die Bahn kommentierte die Zahlen zunächst nicht,sprach aber von einem Aufwärtstrend beim Fernverkehr. »Die Erholung des DB Fernverkehrs hat im ersten Halbjahr deutlich an Fahrt gewonnen. Verkehrsleistung,Auslastung,Umsatz und Ergebnis (EBIT) haben sich im Vergleich zum Vorjahr klar verbessert«,teilte ein DB-Sprecher mit.

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kig/dpa-AFX

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